Tut Faszientherapie weh?

 

NEIN!
Meine Meinung:

Therapeuten stehen zur Faszienbehandlung zum Glück heutzutage sehr sanfte Methoden zur Verfügung. Hier handelt es sich um verschiedene Techniken des sogenannten "Myofascial Release".
Diese führen dazu, daß der Pferdepatient in sich hineinzuhorchen beginnt. Im Verlauf kann der Therapeut dann erfühlen, wie das Gewebe unter seiner Hand anfängt, aktiv zu werden, sich mit "Leben" füllt, entwirrt und schließlich beginnt zu "tanzen". Manche Pferde beginnen dann sogar, sich aktiv zu "entwirren" , was oft in Bewegungen des Halses sichtbar wird, manche werden ganz still, andere wiederum beginnen zu schnauben und zu gähnen.
Der (Faszien-)Körper wird dazu angeregt, sich zu sortieren und neu auszurichten.
Durch den sogenannten konsensuellen Effekt gibt das Gewebe diese Ausrichtung dann auch in tiefer liegende Regionen des Körpers weiter.
Je nachdem, in welchen Bereichen und mit welchem Befund die Faszien behandelt wurden, benötigt der Körper anschließend 2 (manchmal bis zu 10) Tage Zeit, um das Gewebe zu regenerieren. In dieser Zeit ist es unbedingt notwendig, die Faszie nicht erneut ( z. B. im Rücken durch das Auflegen eines Sattels) zu reizen.
Anmerkung: Regeneration im Wortsinn bedeutet vollständige Wiederherstellung und Gesundung!

 

Was ich nicht anwende und wie ich weitere Techniken einschätze:
Es gibt einige Methoden (genannt seien hier auch Faszienrädchen oder andere sogenannte "Faszientools"), welche den Zweck verfolgen, das Leben aus der Faszie regelrecht herauszupressen, damit der Körper dann eine Stelle erkennt, die er zu reparieren hat.
Anmerkung: Reparatur bedeutet immer, daß das geschädigte Gewebe durch
Ersatzgewebe ergänzt bzw. ersetzt wird. Reparatur ist also nicht das Selbe, wie Regeneration!

Auch die Methode mit Foam-Rolls ist mittlerweile nicht mehr "up to date", wenn es um Faszienbehandlungen geht. Die Foam-Rolls sollen - grob gesagt- mit der sogenannten Schwammtechnik die Flüssigkeit aus dem Gewebe herauspressen, damit es sich anschließend wieder aktiv füllt.
Außer Acht gelassen werden bei diesen Ideen allerdings die unzähligen Rezeptoren, welche hochsensibel jede Veränderung der Faszie registrieren und eine entsprechende Reaktion im
Netzwerk des Körpers hervorrufen. Mit einer invasiven Bearbeitung der Faszie werden diese Rezeptoren massiv beschädigt. Auch, wenn der Körper seine Reparaturleistung vollbracht hat, werden künftig die noch aktiven Rezeptoren in diesem Bereich in erhöhter Alarmbereitschaft sein und die Sensibilität und Störanfälligkeit in diesem Bereich weiter erhöhen. Wird dann wiederholt mit diesen Methoden eingewirkt, hat die Faszie zumindest an dieser Stelle irgendwann "ihr Leben ausgehaucht".
Es gibt auch Techniken, welche, selbst nur mit der Hand des Therapeuten ausgeführt, durchaus unangenehm sein können. Insbesondere, wenn es sich um Verklebungen von Muskelfaszien handelt. - wer kennt nicht die als Kinderspiel bekannten "tausend Stecknadeln"?
Während ein Mensch gesagt bekommen kann, daß es "jetzt mal ein bisschen ziept", stoßen wir bei unseren Pferden dabei nicht auf Verständnis: es fühlt Schmerz! Es liegt in der Natur des Pferdes, daß es diesen nicht akzeptiert. Somit wird eine Weiterbehandlung sinnlos.


Also nochmals: Faszientherapie muss - und bei Pferden DARF sie keine Schmerzen verursachen!

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